Otterstedt, C. (1999): Leben gestalten bis zuletzt, Herder Verlag, Freiburg.

 

Menschen, die sich konkret für das Thema Sterbebegleitung interessieren, bzw. sich schrittweise dem Thema langsam nähern wollen. Angehörige, Freunde, Bekannte, Kollegen, Nachbarn, die einen schwerkranken oder sterbenden Menschen begleiten. Aber auch porfessionelle Kranken- und Sterbebegleiter, wie z.B. Hospizhelfer und -schwestern, Kranken- und Altenpfleger, Therapeuten und Ärzte, sowie Seelsorger.
In Würde sterben heißt: menschlich leben bis zuletzt. Carola Otterstedt zeigt konkret, wie eine solche weitgehende Begleitung praktisch geht. Mit allen Sinnen die Welt erfahren, auch wenn der Radius der Wahrnehmung inzwischen eingeschränkt ist. Mit Achtsamkeit die Gefühle wahrnehmen und leben. Das Innenleben pflegen und sich auf diese Weise beteiligen und schließlich auch mit allen noch vorhandenen geistigen Fähigkeiten mitmachen und dabeisein. Es braucht Einfühlungsvermögen, Kreativität und Phantasie, um diese Einladung ins Leben - jeweils stimmig und richtig - zusammen mit dem Kranken zu gestalten. Gerade das Gespräch mit Sterbenden ist eine hohe Kunst, die Sensibilität und Einfühlungsbereitschaft braucht. Doch jeder kann es lernen und findet in diesem Buch die entsprechenden Anregungen und Hinweise. Eine wertvolle, wie praktische Hilfe für alle in der Sterbebegleitung Tätigen. (Auszug aus dem Klappentext des Buches)

 

 

Altenpflege, Hannover 1/2000 Norbert Zimmering
Das Büchlein macht neugierig, weil es dem Prozess des Abschiednehmens und der Sterbebegleitung eines kreative Note verleiht. In dieser so von der Autorin selber ausgesprochenen Weise ist eine derartige Herangehensweise einzigartig; zugleich nimmt sie dem Sterben das Dunkle, Schattenhafte und in seine Wirkung oftmals Angstvoll-Lähmende. Und durch den Einbezug aller am Sterbeprozeß direkt und/oder indirekt Beteiligten bleibt Sterben als zum Leben dazugehörender Gestaltungsprozeß kein einsamer Vorgang. Sprachlich gut verständlich, jegliches Pathos vermeidend, nimmt sich die Autorin eines Themas an, das nicht zuletzt durch die veränderte Bewohnerstruktur in den Pflegeeinrichtungen Mitarbeiter und Angehörige immer frühzeitiger auffordert, den pflegerisch-betreuerischen Prozess auch als Sterbebegleitung zu verstehen und gestalten zu lernen. Nicht nur das Abschiednehmen von der eigenen Häuslichkeit ist für den betroffenen alten Menschen die erste einschneidende Erlebnisform und seine Hinwendung auf die Zeit des weiteren Abschiednehmens, nämlich vom diesmaligen Erdenleben. In seiner Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit erfährt er zunehmend, daß für ihn die Zeit als existentielle Daseinsform zu Ende geht. - Wohltuend ist mir beim Durchlesen aufgefallen, daß die Autorin weder als Lehrmeisterin noch als Moralistin oder als kühl Distanzierende dem Thema gegenübersteht. Dadurch gewinnen ihre Aussagen an Glaubwürdigkeit, dadurch gelingt es ihr, die Leserschaft für ihr Anliegen zu öffnen; nämlich auch dem Tod jene Würde zu verleihen, die für das Leben eigentlich selbstverständlich sein sollte.

 

 

Kirche intern, Wien 8/1999 Martin Krexner
Sterbebegleitung ist in den letzten Jahren verstärkt zum Thema geworden. Das neue Buch von Carola Otterstedt setzt diese Tradition in erfreulicher Weise fort. Die freie Sterbebegleiterin und Spezialistin für Wahrnehmungssensibilisierung will schöpferische Wege der Begleitung aufzeigen und setzt dabei besonders auf die Schwerpunkte der sensiblen Wahrnehmung und Kommunikation sowie auf eine kreative Gestaltung des Alltags. Mit interessanten Anregungen und kleinen Übungen zum persönlichen Ausprobieren gibt die Autorin zahlreiche Tips zur Bewältigung der schweren Zeit, in der das Familienleben durch die Existenz eines sterbenden Angehörigen besonders herausgefordert wird. Sie spricht neben vielem anderen den Umgang mit der eigenen Ohnmacht, die wichtige Einhaltung von Freiräumen, die Bedeutung des Humors und des Ordnens der persönlichen Dinge an. Ein wichtiges Buch, durchaus auch für (noch) Unbetroffene.

 

 

Korrespondenzblatt 11/2002
In Würde sterben: Carola Otterstedt gibt in diesem Band viele Anregungen und Hilfen für die Begleitung eines Menschen in seiner letzten Lebensphase. ... Das Leid ist nicht immer veränderbar. Aber ein Leben, das Leid zulassen kann und trägt durch Gemeinschaft und Mitgefühl, das schmerzvolle und traurige Momente nicht scheut, sondern bewusst auch Freude, Fröhlichkeit und Lachen sucht und seine Neugierde bewahrt: ein solche Leben kann Leid und Leiden nicht nur erträglicher, sondern es vor allem auch wieder lebenswert machen. (E.St.)